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Inhalt

Belebte Gefühle - Ein Projekt mit männlichen, demenziell veränderten alten Menschen

Projektlaufzeit: Juni bis Juli 2011

Idee des Projekts

Die Planung und Umsetzung des Projekts „Belebte Gefühle“ fand in Anbindung an den spezialisierten Bereich der vollstationären Pflege “Menschen mit Erkrankungen an Demenz” des Maternus-Stifts statt.
Das Projekt war ausgerichtet auf die Gruppe der demenziell veränderten alten Männer.

Erfahrungshintergrund war, dass demenziell veränderte alte Männer mit den tradionellen Methoden der gerontopsychiatrischen, sozialpsychologischen Versorgung im Vergleich zur weiblichen Alterskohorte in ihrem emotionalen Ausdruck schwer zu erreichen sind.
Der Alltag dieser Menschen ist gekennzeichnet durch bevorzugten sozialen Rückzug, Ablehnung von Angeboten, Schweigen, Schlafen, etc.. Die Tagesstruktur wird vorwiegend über die Mahlzeiten gelebt.

Das Projekt knüpfte deshalb an die Erfahrungen der basalen Stimulation an. Über die Anregung der Sinne wurden Seele, Geist und Körper belebt, in der Interaktion wurden die belebten Gefühle kommuniziert und als Erfahrung erinnert.

Das Konzept Belebte Gefühle sah vor, demenziell veränderten Männern unter Anleitung von Bildhauer Rudolf P. Schneider Baumstämme anzubieten und diese in gemeinsamer Interaktion, gemeinschaftlichem Tun mit Werkzeugen zu bearbeiten.

Die Erwartung dabei war, dass der Naturbaustein Holz und die Holzbearbeitung mit stereotyp männlichen Werkzeugen Erinnerungen aktiviert. Der damit verbundene Wunsch war, dass die Bewohner über die Erinnerungsarbeit Zugang zu sich selbst finden und eine Verknüpfung zu verlorenen Gefühlen erreichen.

Kontakt Projektverantwortliche/-r

Kulturverein Mittelahr e.V.
Angelika Furth
Kesselinger Strasse 39
53506 Ahrbrück
Tel.: 02643-6784
E-Mail: angelika.furth(at)web.de 
www.kulturverein-mittelahr.de 

Senioren- und Pflegezentrum
Maternus-Stift
Schulstraße 7
53505 Altenahr-Altenburg
Tel.: 02643 9046-0
Fax: 02643 9046-101
E-Mail: info.altenahr(at)maternus.de
www.maternus-senioren.de/altenahr

Projektaktivitäten

Für das Projekt waren fünf bis sechs Termine angesetzt.

  • erster Termin:
    Kontaktaufnahme mit der ausgewählten Zielgruppe, taktiler Kontakt, betrachten, berühren, greifen, anfassen, der Holzstämme
  • zweiter bis fünfter Termin:
    Arbeiten an den Baumstämmen
  • sechster Termin:
    Auswertung der Projektarbeit

Jeder Projekttag wurde personell begleitet um nahen Kontakt zu jedem Einzelnen herzustellen. Der individuelle Ausdruck, die individuell belebten Gefühle wurden angesprochen und in das Bewusstsein gehoben bzw. integriert.

Reflektion und Erfahrungsauswertung:

Die ausgewählte Gruppe demenziell erkrankter Senioren im Alter von 80 – 90 Jahren umfasste 6 Personen, die aktiv an das Projekt „Belebte Gefühle“ in Begleitung des Bildhauers Herrn Schneider, der Vorsitzenden des Kulturvereins Frau Furth und des Sozialen Dienstes Maternus – Stift, herangeführt wurden.

Der Kreis der Bewohner, die als interessierte Zuschauer an dem Projekt teilnahmen, erweiterte sich sehr rasch. Interessant war hierbei, dass sich ausschließlich männliche Bewohner von der Holzbearbeitung angesprochen fühlten. Der Baumstamm wurde im Garten des „Demenzbereiches“ aufgestellt und fixiert.

Nachdem Herr Schneider und Frau Furth sich der Gruppe vorgestellt hatten, wurde der Baumstamm in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt.

Angeleitet durch Herrn Schneider wurde der Baumstamm befühlt, die Größe und das Gewicht eines Baumstammes angesprochen, die Struktur des Holzes betrachtet, Baumrinde abgeblättert und das Holz ertastet.

Die Bewohner ließen sich gut abholen, reagierten annehmend und offen aber mitunter auch zurückhaltend auf diese neue Situation. Die Aufmerksamkeit der Bewohner, die sich in Körperhaltung und Mimik spiegelte, wechselte sich ab mit Weggehen und Wiederkommen, auf einen Stuhl setzen, Dösen, Schimpfen und Konfabulieren.

An den folgenden Projekttagen intensivierten und differenzierten sich bei den Bewohnern die Ausdrucksformen der Gefühle:

  • Werkzeug halten und einsetzen
  • Werkzeug verweigern, Rinde zerreißen
  • Verweigerung, um dann aktiv zu hämmern, nicht mehr aufhören wollen, Zufriedenheit mit „der Arbeit“
  • Aktivität / Rückzug / Neugierde / Aktivität
  • sehr konzentriert sein
  • Kraft entwickeln beim Tun
  • Geschicklichkeit / Konzentration /
  • Nicht mehr aufhören wollen
  • sich differenziert ausdrücken bei i.d.R passivem Sprachverhalten: „schön sind runde Formen“
  • Weggehen, Zurückkehren, Kommentieren
  • sorgfältig Arbeiten
  • mit einer Hand Arbeiten
  • Spaß haben
  • Unterhaltung
  • Zuschauen
  • Bedacht sein und ausdauernd Arbeiten
  • Hämmern und Aggressionen äußern

Beteiligte

Das Projekt basierte auf einer Kooperation von der Vorsitzenden des Kulturvereins Mittelahr e.V., Frau Furth, dem Bildhauer und Restaurator Rudolf P. Schneider aus Kreuzberg und dem Maternus – Stift.

Förderliche Faktoren

Frau Furth und der Soziale Dienst waren eine wichtige Begleitung, da alle Teilnehmer die Unterstützung im Tun, in der Verarbeitung ihrer Emotionen und in der Ruhephase brauchten.

Besondere Merkmale

Insgesamt war zu beobachten, dass die Projektteilnehmer eine positive Entwicklung im Projektverlauf zeigten. Herr Schneider wurde als „der Ansprechpartner“ wahrgenommen und ein Wiedererinnern begleitete jeden folgenden Projekttag. Deutlich wahrnehmbar war, dass innerpsychisch Prozesse ausgelöst wurden. Innere Welten zeigten sich für kurze Momente in unterschiedlichen Facetten, vergleichbar einzelnen Puzzelteilchen.

Das Puzzel wird nie mehr vollständig werden aber aus Sicht der Projektbeteiligten bedeutete das Erleben und Wiedererkennen eines Puzzelteilchens für den Menschen eine entspannte Zeit in „Belebte Gefühle“.