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Wissenschaftliche Einbettung der „Interkulturellen Öffnung“.

Im Anschluss machte Michael Bolk, Kulturanthropologe am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, die Teilnehmenden in seinem Vortrag zunächst mit einem begrifflichen Wechsel im Kontext der Interkulturellen Öffnung vertraut: Wo bislang von „Interkulturalität“ die Rede war, wird neuerdings der treffendere Begriff der „Transkulturalität“ verwendet.
Interkulturelle Öffnung versteht Herr Bolk als langfristigen Prozess, der einer Gesamtorganisation bedarf. Dieser Prozess braucht Begleitung und fällt in das Aufgabengebiet der Personal- und Teamentwicklung in Institutionen.
In einem kurzen Exkurs verweist Herr Bolk auf das veränderte Verständnis von „Alter“:  Früher sei dies ein positives Bild gewesen, weil nur diejenigen Alten überlebt haben, die eine hohe geistige und körperliche Fitness haben. Heute – wo Alter vornehmlich mit Gebrechen und anderen negativen Assoziationen belegt ist – sei dieses Bild ein anderes.

Anschließend erklärt Herr Bolk am Beispiel seiner in Kairo erhobenen Studie, inwiefern der Alterungsprozess und darin auftauchende Versorgungsfragen kulturell bedingt sind.

Im Rahmen einer Befragung von 120 Personen kam er u.a. zu der Erkenntnis, dass das Familiensystem in Ägypten einen wesentlich stärkeren Bezugsrahmen bildet, während das dortige Sozialsystem verglichen mit Deutschland weniger ausgeprägt ist. In Deutschland sind viele soziale Einrichtungen religiösen Ursprungs, zum Beispiel die Caritas und die Diakonie.

In anderen Kulturen, wo der Staat weniger Fürsorge leistet, muss auf andere Unterstützungssysteme zurückgegriffen werden. Herr Bolk sieht hierin eine Ursache für die Popularität von islamistischen Organisationen, die diese Lücke mit ihrer Form sozialer Hilfeleistungen schließen.

Interkulturelle Kompetenz sieht er in Wechselbeziehung mit Kommunikativer Kompetenz: Dazu erläutert er die Begriff „high context“ und „low context“, wie sie in verschiedenen Kulturen jeweils vorzufinden sind. In einer von „high context“ geprägten Gesellschaft wird in der Kommunikation untereinander viel Vorwissen vorausgesetzt, es herrschen viele „unausgesprochene“ und implizite Annahmen. Gesellschaften, die einen  „high context“ ausweisen, haben auf der einen Seite einen hohen Grad an Individualisierung und andererseits auch einen großen Bedarf an Klärung und Worten. Treffen nun Mitglieder beider Gesellschaften aufeinander, ergibt sich ein kommunikatives Problem. Die Frustration, die sich in der Begegnung zweier oder mehrerer Menschen unterschiedlicher Nationalitäten einstellt, hat laut Michael Bolk schlichtweg damit zu tun, dass „nicht ordentlich kommuniziert wird“.

In einer immer komplexer werdenden Welt würden deshalb schnell Kategorien von Andersartigkeit aufgemacht, um sich besser darin zurechtfinden zu können.

Der ganze Vortrag „Interkulturelle Öffnung“ als pdf zum Download.