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Demenzkompetenz im Krankenhaus

Erfolgreiche Abschlussveranstaltung eines rheinland-pfälzischen Modellprojekts

Am 19. September 2014 fand die Abschlussveranstaltung des rheinland-pfälzischen Modellprojekts „Demenzkompetenz im Krankenhaus“ in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz statt. Durchgeführt von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e. V. (LZG) im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD), war die Veranstaltung mit mehr als einhundert Teilnehmern Plattform für einen regen Austausch zum Thema Demenz im Krankenhaus.

Durch den Fachtag, der am Vormittag mit spannenden Vorträgen und am Nachmittag mit einem Workshopangebot zu den zentralen Themen und Ergebnissen des Modellprojekts gefüllt war, führte Ulrike Nehrbaß vom SWR Fernsehen. Ziel des Modellprojekts war die Verbesserung der Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz im Krankenhaus sowie eine Optimierung der Aufnahme- und Entlassungsmodalitäten dieser Patientengruppe.

Bernhard Scholten, Abteilungsleiter im MSAGD, verwies in seinem Grußwort darauf, dass die Veranstaltung lediglich eine Zwischenbilanz des Projektes ziehe. Bis Ende Februar 2015 schließe sich eine zweite, vom MSAGD finanzierte Projektphase an, in der weitere wichtige Schritte  gemacht werden sollen. Diese Phase  diene vor allem der Verfestigung der Kommunikationsprozesse vom Aufnahme- bis zum Entlassungsmanagement in den Modellkrankenhäusern sowie der weiteren Etablierung der Vernetzung.  Die Ergebnisse und Antworten, die durch das Projekt in den Modellkrankenhäusern bislang gefunden wurden, bildeten laut Herrn Scholten eine wichtige Basis für die Wissensweitergabe an andere interessierte Krankenhäuser.

Inhalte, Verlauf und Schwerpunkte des Modellprojekts stellte Patrick Landua, stellvertretender Referatsleiter in der LZG und projektverantwortlicher Referent, in seinem anschließenden Vortrag anschaulich dar. Hierbei spannte er den Bogen von der Auswahl der acht Modellkrankenhäuser in der Vorbereitungsphase und dem Abschluss von Zielvereinbarungen, über die Darstellung der vier zentralen Projektbausteine Screening, Qualifizierung, Entlassmanagement/Vernetzung sowie Beratung zu strukturellen Veränderungen, bis hin zur Darstellung einzelner Projektergebnisse.

Univ.-Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Leitender Oberarzt sowie Leiter der Demenzforschung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, referierte in seinem Vortrag über die Möglichkeiten, durch die Einführung eines Screeningverfahrens zur Idendifikation kognitiver Störungen die Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz im Krankenhaus zu verbessern. Prof. Fellgiebel führte im Rahmen des Modellprojektes eine Studie zur Evaluierung eines Demenz-Screeningverfahrens durch. In den acht Modellkrankenhäusern wurde für diese Studie bei Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren mit deren Einverständnis bei der Aufnahme ein kurzer Standardtest (3-Wörter-Uhren-Test) durchgeführt. Ergibt dieser Test eine kognitive Beeinträchtigung, so kann laut Prof. Fellgiebel eine adäquate Versorgung von Anfang an gewährleistet werden.

Professor Dr. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (dip) in Köln stellte in seinem Vortrag Ergebnisse einer bundesweiten Befragung (Pflege-Thermometer 2014) zur Versorgung von Menschen mit Demenz aus Sicht der Pflegebeschäftigten dar. Neben Hintergrundinformationen zur Situation von Menschen mit Demenz im Krankenhaus, präsentierte Professor Isfort auch ernüchternde Zahlen zur aktuellen Versorgungssituation. Frappierend ist hier die Entwicklung der Pflegebeschäftigten in Vollzeit von 1995 bis 2012, die einen Rückgang um 11,4% aufweist. Betrachtet man die Fallzahlen für den gleichen Zeitraum so ist hier ein Anstieg um 19,2% zu verzeichnen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der betreuten Patienten pro Pflegekraft wieder. Hier kommen im Durchschnitt in der Nachtschicht 23,6 zu betreuende Patienten auf eine Pflegekraft. Die Zahlen und Fakten, die Professor Isfort in seinem Vortrag auf unterhaltsame Weise vermittelte, unterstreichen die Wichtigkeit von Maßnahmen und Konzepten, die die Verbesserung der Versorgungssituation von Menschen mit Demenz im Krankenhaus verfolgen und verdeutlichen den Stellenwert des Modellprojekts.

Ein wichtiger Baustein  des Projekts war die Schulung des Krankenhauspersonal sowie die Sensibilisierung für die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz, da sich der Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten im Krankenhaus häufig schwierig gestaltet. André Hennig, der die Qualifizierungen durchführte, berichtete in seinem Vortrag von den Erfahrungen bei der Projektumsetzung in allen acht Modellkrankenhäusern. So wurde  durch eine Befragung des Pflegepersonals vor und nach Durchführung der Qualifizierungsmaßnahmen festgestellt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich nach den Schulungen  sicherer im Umgang mit dementiell erkrankten Menschen fühlten und sich insgesamt besser auf deren Bedürfnisse  einstellen konnten. Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer personenorientierten Versorgung von Menschen mit Demenz stellte ein zentrales Ergebnis der Schulungsmaßnahmen dar.

Das Workshopangebot nach der Mittagspause bot die Möglichkeit sich mit den einzelnen Projektbestandteilen Screening,  Ideen zur Gestaltung des Krankenhausaufenthaltes, spezifisches Überleitungs- und Entlassungsmanagement und der Vernetzung mit dem ambulanten Sektor tiefergehend zu befassen.

Univ.-Prof. Dr. Andreas Fellgiebel referierte im Workshop „Screening zur Identifikation von Menschen mit kognitiven Einschränkungen“ über die Einsatzfelder von Screeningverfahren, die Vor- und Nachteile des 3-Wörter Uhrentests und stellte anhand von Fallbeispielen verschiedene Screeningmethoden anschaulich vor.

Birgit Mohr vom Klinikum Mittelmosel in Zell berichtete in Ihrem Vortrag „Veränderter Umgang mit Menschen mit Demenz: Ideen zur Gestaltung des Krankenhausaufenthaltes“ über die strukturellen Maßnahmen, Ergebnisse und Erfahrungen, die durch das Modellprojekt im Klinikum Mittelmosel angestoßen wurden.

Der dritte Workshop mit dem Titel „Spezifisches Überleitungs- und Entlassungsmanagement“ durchgeführt von Melanie Bach-Ludwig vom Stiftungsklinikum Mittelrhein in Boppard stellte die Aufnahme- und Entlassungsprozesse des Krankenhauses sowie deren Veränderungen durch das Modellprojekt vor.

Der Workshop zum Thema „Strukturveränderungen im Krankenhaus und Vernetzung mit dem ambulanten Sektor“ wurde von Dr. Meike Ziegler und Bianca Kautz vom Klinikum der Stadt Ludwigshafen zusammen mit Andrea Hilbert, der Psychatriekoordinatorin der Stadt Ludwigshafen durchgeführt. In dem Workshop stellten die Referentinnen die gemeinsamen Maßnahmen und Bemühungen des Klinikums und der Stadt vor, die Netzwerkarbeit auszubauen, um so die Versorgung von Menschen mit Demenz in Ludwigshafen zu verbessern.

Die spannenden Workshops gaben die Möglichkeit, zahlreiche Ideen, Anregungen und Hilfestellungen aus der Praxis einiger Modellkliniken kennenzulernen und bildeten einen gelungenen Abschluss der Veranstaltung.