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Inhalt

Selbsterhaltungstherapie: Konzept und Anwendungen

Abstract:
Vortrag von Dr. phil. Barbara Romero auf dem Fachtag Demenz 2009 am 10.10.2009

SET Konzept

Um das Leben mit einer dementiellen Erkrankung so gut als möglich zu gestalten ist eine Anpassung der Betroffenen und des Umfeldes an die Krankheitsfolgen notwendig. Zu der Frage, was zu tun ist, damit der Anpassungsprozess gelingt, bietet die Ressourcen orientierte Selbsterhaltungstherapie (SET) eine konzeptuelle Grundlage.  

Zentrale Elemente der SET sind:

  • Anpassung der Kommunikation
  • Anpassung der Alltagsgestaltung, Betreuung und Beschäftigungen
  • Erinnerungsarbeit.

Angepasste, bestätigende Kommunikationsformen sind wichtig, um das Selbstvertrauen der Kranken zu stabilisieren. Mehr Selbstvertrauen bedeutet mehr Wohlbefinden und mehr Leistungsfähigkeit.

Mit geeigneten Beschäftigungen, Erlebnissen und alltäglichen Aktivitäten sollten die Betroffenen weder über,- noch unterfordert sein. Vielmehr sollte eine optimale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben angestrebt werden. Programmen zur Alltagsgestaltung und zur Nutzung von individuellen Kompetenzen der Betroffenen werden systematisch erhobene Erkenntnisse zu deren Kompetenzen und Bedürfnissen zu Grunde gelegt.

Eine besondere Bedeutung hat Beschäftigung mit noch erhaltenen, persönlich bedeutenden Erinnerungen zu.

Von trainierenden Ansätzen ist bei Demenz meistens Abstand zu nehmen, um die Kranken nicht mit ihren Defiziten zu konfrontieren und um die Beziehung zu den Betreuern nicht zu gefährden.

SET Anwendungsbereiche

Die SET kann sowohl Konzepten zur alltäglichen Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz als auch Interventionsprogrammen zu Grunde gelegt werden. Die meisten Erfahrungen mit der Anwendung des SET – Konzeptes wurden im Alzheimer Therapiezentrum gewonnen. In dieser Einrichtung wird seit bereits 10 Jahren ein 3 bis 4 wöchiges Rehabilitationsprogramm für Familien: Menschen mit Demenz und deren Angehörigen, durchgeführt. Im Rahmen dieses Programmes werden Familien auf die neue, an die Krankheitsfolgen angepasste, Gestaltung der Aktivitäten und Umgangsformen im Alltag vorbereitet. Weitere Angaben zur Arbeit des ATZs Bad Aibling sind dem Referat von Herrn Wenz zu entnehmen.

Die ca. 370 Familien, die jährlich am ATZ Bad Aibling Programm teilnehmen, integrieren ihre dabei gewonnene Erfahrungen in den Alltag. So kann sich die häusliche Betreuung und Lebensgestaltung nach Empfehlungen richten, die im SET – Konzept verankert sind.

Eine weitere wichtige SET Anwendung ist die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz im stationären Wohnbereich. Als die zentrale Zielsetzung wird die Anpassung der Pflege, der Umgangsformen des Personals, der Tagesgestaltung und des materiellen Umfeldes  an die individuellen Bedürfnisse der Bewohner verfolgt. Dabei sollten die individuellen Ressourcen optimal gefördert wie auch Selbstwert und Selbstverständnis der Person stabilisiert werden. Hierzu liegen die ersten aber bereits gut fundierten Erfahrungen aus dem Seniorenpflegeheim St. Bilhidis Mainz, von denen Herr Robl berichtet.

Ein neues Anwendungsbereich für die SET kann eine gerontopsychiatrische Akutstation sein. Auch und gerade bei akuten Kriseninterventionen ist es wichtig, Ressourcen des Patienten und der soziallen Umfeld zu erkennen und eine bessere Anpassung an die Krankheitsfolgen zu unterstützen. So wird besonderes Augenmerk auf die Verhinderung der zukünftigen Krisen und die Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen und deren Familien gerichtet. Der Frage, wie diese Ziele im Rahmen einer akuten gerontopsychiatrischen Behandlung optimal umgesetzt werden können widmet sich in seinem Referat Herr Dr. Feldgiebel.

Die Ressourcen demenzkranker Menschen zu erhalten, ist aus humanen und ökonomischen Gründen geboten. Diese Tagung informiert über die schon heute verfügbare Möglichkeiten, die Ressourcen sowohl der erkrankten Menschen als auch der betreuenden Angehörigen zu erhalten, das Leiden auf beiden Seiten zu mindern und dadurch auch sekundäre Komplikationen zu reduzieren. Darüber hinaus werden neue Wege diskutiert, um den Kranken und ihren Angehörigen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – entsprechend den individuellen Bedürfnissen – zu erleichtern.

Referenzen

  • Bölicke C., Mösle R., Romero B., Sauerbrey G., Schlichting R., Uhl A., Weritz-Hanf P., Zieschang P. Ressourcen erhalten. Robert Bosch Stiftung (Hrsg.) Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz, 2007. Huber Verlag
  • Romero B.  Familiäre und therapeutische Hilfen bei demenzbedingtem Verlust der Eigenständigkeit: Werte, Ziele, Konzepte. In: H. Aldebert (Hrsg.) Demenz verändert. Hintergründe erfassen – Deutungen finden – Leben gestalten. EB-Verlag, Hamburg, 2006: 313 – 328.
  • Romero B. Nichtmedikamentöse Therapie. In: Wallesch C-W, Förstl H (Hrsg) Demenzen. Thieme, Stuttgart, 2005: S 291-302
  • Romero B. Selbsterhaltungstherapie: Konzept, klinische Praxis und bisherige Ergebnisse. Zeitschrift für Gerontopsychologie und –psychiatrie, 2004; 17(2): 119-134

Korrespondenzadresse

Dr.phil. Barbara Romero
Alzheimer Therapiezentrum
Kolbermoorerstr. 72
83043 Bad Aibling
romero(at)t-online.de